Franz Schuberts Sinfonie h-Moll "Unvollendete" gespielt vom WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Andrew Manze. Live aufgenommen am 28.11.2025 in der Kölner Philharmonie.
Franz Schubert - Sinfonie Nr. 7 h-Moll D759 "Unvollendete"
00:00:00 I. Allegro Moderato
00:14:00 II. Andante Con Moto
WDR Sinfonieorchester
Andrew Manze, Leitung
► Mehr zum Sinfonieorchester, zu Konzerten und aktuellen Livestreams gibt es bei https://sinfonieorchester.wdr.de
► Das WDR Sinfonieorchester bei Facebook https://www.facebook.com/wdrsinfonieorchester
Werkeinführung:
Zwei Meisterwerke der Musikgeschichte sind seit ihrer Entstehung
von einer rätselhaften Aura umgeben, die mit ihrer fragmentarischen
Gestalt zusammenhängt: Mozarts Requiem und Schuberts
Sinfonie in h-Moll. Während der Torso des Requiems ergänzt
aufgeführt wird, ging Schuberts Sinfonie mit nur zwei Sätzen
als »Unvollendete« ins Konzertrepertoire ein.
Die Sinfonie, an der Schubert im Herbst 1822 schrieb, war nicht
mehr für ein Liebhaberorchester, sondern für die große Öffentlichkeit
bestimmt. Zwei Sätze sind vollständig, von einem dritten
Satz existieren nur zwanzig Takte. Jahrzehntelang blieb die Partitur
im Besitz von Schuberts Freund Anselm Hüttenbrenner.
Erst 1865 kam das Werk in Wien zur Uraufführung und wurde bald
zu einem Inbegriff des Schubertschen Schaffens.
Die Frage, warum die Sinfonie unvollständig blieb, hat viele
Spekulationen genährt. Die rationale Antwort lautet, dass Auftragsarbeiten
wie die Wanderer-Fantasie den stets in Geldnot befindlichen
Komponisten davon abhielten, das Werk fertigzustellen.
Doch auch ein möglicher Schlüssel zur zweiteiligen Geschlossenheit
des Stücks wurde diskutiert: Ebenfalls 1822 entstand
Schuberts Erzählung Mein Traum. Sie schildert im ersten Teil
traumatische Erfahrungen, im zweiten Teil aber eine spirituelle
Vision, die in Läuterung und Versöhnung mündet.
Die Unvollendete könnte diesen Text in einigen Facetten spiegeln:
die düstere Bassfigur, die das Allegro moderato von Anfang an
unterminiert, das unruhig in sich kreisende Holzbläser-Thema,
die abrupt unterbrochene Ländler-Idylle: all das passt zur tragischen
Kernaussage von Mein Traum: »Wollte ich Liebe singen,
ward sie mir zum Schmerz. Und wollte ich wieder Schmerz nur
singen, ward er mir zur Liebe.« Auch der Melodiefluss des zweiten
Satzes muss Abgründe überwinden, bevor sich zum Schluss alle
Spannung in schwerelose Heiterkeit auflöst. »Ich fühlte die
ewige Seligkeit wie in einem Augenblick zusammengedrängt«,
heißt es am Ende von Schuberts Erzählung.
Als klingender Traum von Sehnsucht nach Erlösung ist die
»Unvollendete« vollendet.
Text: Christian Lehmann
Franz Schubert - Sinfonie Nr. 7 h-Moll D759 "Unvollendete"
00:00:00 I. Allegro Moderato
00:14:00 II. Andante Con Moto
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Werkeinführung:
Zwei Meisterwerke der Musikgeschichte sind seit ihrer Entstehung
von einer rätselhaften Aura umgeben, die mit ihrer fragmentarischen
Gestalt zusammenhängt: Mozarts Requiem und Schuberts
Sinfonie in h-Moll. Während der Torso des Requiems ergänzt
aufgeführt wird, ging Schuberts Sinfonie mit nur zwei Sätzen
als »Unvollendete« ins Konzertrepertoire ein.
Die Sinfonie, an der Schubert im Herbst 1822 schrieb, war nicht
mehr für ein Liebhaberorchester, sondern für die große Öffentlichkeit
bestimmt. Zwei Sätze sind vollständig, von einem dritten
Satz existieren nur zwanzig Takte. Jahrzehntelang blieb die Partitur
im Besitz von Schuberts Freund Anselm Hüttenbrenner.
Erst 1865 kam das Werk in Wien zur Uraufführung und wurde bald
zu einem Inbegriff des Schubertschen Schaffens.
Die Frage, warum die Sinfonie unvollständig blieb, hat viele
Spekulationen genährt. Die rationale Antwort lautet, dass Auftragsarbeiten
wie die Wanderer-Fantasie den stets in Geldnot befindlichen
Komponisten davon abhielten, das Werk fertigzustellen.
Doch auch ein möglicher Schlüssel zur zweiteiligen Geschlossenheit
des Stücks wurde diskutiert: Ebenfalls 1822 entstand
Schuberts Erzählung Mein Traum. Sie schildert im ersten Teil
traumatische Erfahrungen, im zweiten Teil aber eine spirituelle
Vision, die in Läuterung und Versöhnung mündet.
Die Unvollendete könnte diesen Text in einigen Facetten spiegeln:
die düstere Bassfigur, die das Allegro moderato von Anfang an
unterminiert, das unruhig in sich kreisende Holzbläser-Thema,
die abrupt unterbrochene Ländler-Idylle: all das passt zur tragischen
Kernaussage von Mein Traum: »Wollte ich Liebe singen,
ward sie mir zum Schmerz. Und wollte ich wieder Schmerz nur
singen, ward er mir zur Liebe.« Auch der Melodiefluss des zweiten
Satzes muss Abgründe überwinden, bevor sich zum Schluss alle
Spannung in schwerelose Heiterkeit auflöst. »Ich fühlte die
ewige Seligkeit wie in einem Augenblick zusammengedrängt«,
heißt es am Ende von Schuberts Erzählung.
Als klingender Traum von Sehnsucht nach Erlösung ist die
»Unvollendete« vollendet.
Text: Christian Lehmann
- Category
- Live Concert
- Tags
- WDR Sinfonieorchester, WDR Symphony Orchestra, sinfonische musik


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